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fritz

Die Ablehnung eines palästinensischen Staates durch den israelischen Likud gibt dem früheren Regierungschef Benjamin Netanyahu Auftrieb. Wie beurteilen Sie die diesbezüglichen Folgen für den Friedensprozess?
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Sigi Feigel

Es wäre dies eine Katastrophe, und die Verweigerung des Likuds eines palästinensischen Staates würde, abgesehen von den direkten Folgen für Israel und die palästinensischen Gebiete, Israel in eine internationale Isolation führen.
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gregor

Für den Sommer ist eine Nahost-Konferenz geplant. Welche Grundbedingungen müssen erfüllt sein, damit ein nachhaltiger Friede als realistisches Ziel ins Auge gefasst werden kann?
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Sigi Feigel

Es muss einfach das vorhanden sein, was für jeden Kompromiss vorhanden sein muss: der ernsthafte Wille zum friedlichen Zusammenleben und die Bereitschaft auf beiden Seiten, Kompromisse einzugehen und Verzichte zu leisten.
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daniel

Gibt es eine Alternative zum Konzept, das einen eigenen Palästinenser-Staat vorsieht?
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Sigi Feigel

Nein, es gibt keine Alternative. Jeder andere Lösungsversuch würde nur zu einer Verewigung der jetzigen unhaltbaren Zustände führen.
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theo

Ist der religiöse Friede in der Schweiz gefährdet? Kam es in Ihrer Gemeinde (Zürich) schon zu Übergriffen.
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Sigi Feigel

Natürlich ist das Zusammenleben der nicht-jüdischen und der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz sehr stark von den Ereignissen im Nahen Osten betroffen. Unverständlicherweise werden wir, die hiesigen Juden, allzu oft dafür verantwortlich gemacht, was im Nahen Osten geschieht.
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Sigi Feigel

Allzu viele Menschen hierzulande haben immer noch nicht begriffen, dass zwischen Israeli, dem Angehörigen der israelischen Nation und einem Israeliten, dem Angehörigen einer Religion, ein fundamentaler Unterschied besteht.
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anton

Herr Feigel, welche Haltung soll die Schweiz, resp. der Bundesrat bezüglich Nahost-Konflikt einnehmen?
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Sigi Feigel

Ich bin gegen Gesinnungsneutralität und finde es richtig, wenn der Bundesrat Stellung bezieht, aber es muss eine ausgewogene Stellungnahme sein, die beide Seiten in gleicher Weise in die Pflicht nimmt.
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thomas

Hat Arafat die terroristischen Splittergruppen - wie etwa Dschihad, Hisbollah und Al Aksa - nicht (mehr) im Griff? Was glauben Sie, wie gross ist sein Einfluss auf deren Führer?
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Sigi Feigel

Ich bin der Überzeugung, dass Arafat die Situation in dem Moment nicht mehr im Griff hat, in welchem er sich entsprechend seiner Verantwortung nicht nur mit Worten, sondern mit Taten energisch gegen den Terror durchzusetzen versucht.
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urs

Israels Siedlungspolitik ist doch eine einzige Provokation für die Palästinenser - schürt ihren Hass. Einverstanden?
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Sigi Feigel

Ich möchte vorausschicken, dass der arabische Hass gegen den Judenstaat, samt entsprechenden gewalttätigen Handlungen schon bestand, bevor es solche Siedlungen gab. Vergessen wir nicht, vor 1967 gab es keine Siedlungen, und auch Jerusalem war fest in palästinensisch-arabischer Hand.
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Sigi Feigel

Trotzdem aber ist die Siedlungspolitik Israels in den «Gebieten» eine vollkommen verfehlte Politik, weil sie diametral die Interessen des palästinensischen Zionismus verletzt.
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tanja

Die mehr als 200 jüdischen Siedlungen im Westjordanland und Gazastreifen verstossen gegen internationales Recht. Auch US-Aussenminister Colin Powell hat die Besiedlungspolitik der Israelis kritisiert. Weshalb gibt Israel nicht nach?
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Sigi Feigel

Das ist eine Frage, die auch mich beschäftigt. Ich kann nicht verstehen, dass man wegen 100'000 oder 150'000 Siedlern, grossteils nicht Israeli, durch die unnachgiebige Haltung der jetzigen Regierung, ich möchte sagen, die Existenz Israels gefährdet.
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GSLehrer

Lieber Herr Feigel, ich habe mit meiner Klasse im Geschichtsunterricht über die Situation der Juden im 2.Weltkrieg gesprochen. Dabei tauchte die Frage eines Schülers auf, ob sich nicht die Opfer von früher heute der Bevölkerung Palästinas gegenüber ähnlich verhalte wie damals jene des 3. Reichs. Wie würden Sie auf diese Frage antworten? Ich danke Ihnen.
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Sigi Feigel

Diese Frage ist natürlich nicht mit ja oder nein zu beantworten. Man muss aber immer den fundamentalen Unterschied zwischen dem Verhalten der Nazis und den gegenwärtigen Auseinandersetzungen, die sicherlich auch zu Missgriffen auf israelischer Seite geführt haben, nicht verkennen. Auf der einen Seite wurden Menschen nur weil sie als Juden geboren waren, die keinerlei Ansprüche an Deutschland stellten, ausser dem einen, in Frieden dort leben zu können, auf grausamste Art industriell vernichtet. Der heutige Kampf um einen palästinensischen Staat ist der Kampf der palästinensischen Bevölkerung um einen eigenen Staat, und damit um Gebiete, die den Israelis weggenommen werden sollen. Dies ist keine Wertung für Recht oder Unrecht, sondern nur die Festhaltung eines tatsächlichen Unterschiedes.
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geraldine

Was bringt den Friedensprozess wieder in Gang? Ist die Räumung der Autonomiegebiete die Grundbedingung für einen Frieden?
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Sigi Feigel

Sicherlich ist Räumung der Autonomiegebiete eine Voraussetzung oder besser gesagt: Nur eine der Voraussetzungen. Wesentlich scheint mir für den Frieden eine andere, zusätzliche Voraussetzung, nämlich die Schaffung von Zukunftsperspektiven für die palästinensische Bevölkerung. Ich habe mir gestattet, dem Bundesrat den Vorschlag zu machen, ein Pilotprojekt für einen Marshall-Plan zu erarbeiten, und hatte Gelegenheit, denselben vor wenigen Tagen Herrn Bundesrat Deiss als Idee vorzustellen. Ich darf im übrigen bemerken, dass Alt-Bundesrat Ogi sich voll und ganz hinter eine solche Idee gestellt hat.
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Sigi Feigel

Ich bin der Überzeugung, dass ein junger Palästinenser mit Zukunftsperspektiven nicht so leicht dafür gewonnen werden kann, sich unter Mitnahme möglichst vieler Menschen in Israel, in die Luft zu sprengen.
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gemini

Ich bin ein Palästinenser, der seit 1993 Schweizer geworden ist. Meine Familie besitzt viel Land in Jaffa und in Akko. Meinen Sie nicht, ich hätte als Schweizer- Palästinenser ein Recht, dieses Land zurückzuverlangen. Gibt es eine Möglichkeit, dieses Recht irgendwo einzuklagen?
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Sigi Feigel

Dafür gibt es die Gerichte, auch in Israel, das nach wie vor bei allen politischen Kritiken als Rechtsstaat betrachtet werden kann und darf und wenn Sie die Grundlagen für Ihre Behauptungen vorlegen können, haben Sie sicher Chancen, zu Ihrem Recht zu kommen.
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martina25

Soweit ich verfolgen konnte, tragen sture und eitle Männer (Sharon und Arafat) einen persönlichen Machtkampf aus - und zwar auf Kosten ihres Volkes. Wie sehen Sie das?
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Sigi Feigel

Liebe Martina25, ich sehe es ähnlich wie Sie. Jedenfalls ist es sicherlich teilweise ein persönlicher Machtkampf. Leider zu Lasten der beiden Völker. Natürlich nicht nur ausschliesslich.
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christoph

Steht das israelische Volk noch hinter Hardliner Sharon?
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Sigi Feigel

Das israelische Volk ist natürlich verunsichert und hat Angst. Die Mütter getrauen sich nicht mehr, ihre Kinder in die Schule zu schicken, Menschen haben Angst, in ein Einkaufszentrum zu gehen, junge Menschen fürchten sich, eine Disko zu besuchen. Natürlich wollen alle diese Menschen nur eines: In Sicherheit leben zu können, ohne Angst vor Attentaten. Und so hat denn, fast möchte ich sagen, die Hamas Sharon gewählt, indem sie in der fraglichen Wahlzeit, besonders viele Attentate verschuldete. Und dann kam Sharon und versprach der israelischen Bevölkerung, er werde sie vor diesem Terror schützen. Das war ausschlaggebend für seine Wahl. Mir scheint, dass man allmählich in der israelischen Bevölkerung erkennt, dass der von Sharon eingeschlagene Weg nicht zum Ziel führen kann.
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mark

Israel ist mit dem Vorwurf konfrontiert, die Genfer Konvention mit Füssen zu treten. Muss die Internationale Gemeinschaft, sprich UNO nicht härter dagegen vorgehen?
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Sigi Feigel

Ich glaube, dass Israel grundsätzlich die Genfer Konventionen respektiert. Aber eben, grundsätzlich. Es herrscht Krieg und in einem Krieg werden leider nur allzu oft von beiden Seiten diese Konventionen nicht respektiert. Aber eines muss man sich bewusst sein: Es wird viel gelogen.
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anatol

Die israealische Menschenrechtsorganisation B'Tselem wirft der Regierung Sharon vor, die Errichtung von jüdischen Siedlungen bewusst so zu planen, dass ein lebensfähiger palästinensischer Staat praktisch verunmöglicht wird. Teilen Sie diese Einschätzung?
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Sigi Feigel

Ich kann nicht sagen, dass ich diese Einschätzung teile, aber ich muss gestehen, dass Vieles dafür spricht.
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gemini

Die Jüdische Gemeinschaft in der Schweiz hat sich mehrmals beklagt, weil der Bundesrat und das Parlament die israelische Reaktion auf die Selbstmordattentate quasi mit einer Sippenhaft, sprich der grossflächigen Zerstörung palästinensischer Häuser und Infrastrukturen, kritisiert hat. Die Vertretung der Schweizer Juden hat dies als antisemitische Angriffe verstanden. Warum wagen die Juden in der Schweiz nicht, die Politik der Sharon-Regierung zu kritisieren?
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Sigi Feigel

Ich selbst habe immer wieder erklärt, ich sei gegen Gesinnungsneutralität. Wenn Menschenrecht oder Völkerrecht verletzt wird, soll der Bundesrat dazu Stellung beziehen. Um aber glaubwürdig zu bleiben und die mögliche Rolle der Schweiz als Friedensstifter nicht zu gefährden oder zu verunmöglichen, muss der Bundesrat sorgfältiger und ausgeglichener sein, als dies in seiner Erklärung zum Ausdruck kam. Wenn er z.B. den israelischen Botschafter «vorlädt», um ihm die Völkerrechtsverletzungen Israels vorzuhalten, dann müsste er zumindestens den Botschafter des Iraks ebenfalls vorladen, eines Staates, der den Familien der Selbstmordattentäer 25'000 US-Dollar als Entschädigung zahlt.
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dario

Seit der Verschärfung des Nahost-Konfliktes gibt es zunehmend Berichte aus europäischen Ländern über Aktivitäten, die gegen Juden gerichtet sind. Provoziert Israel mit seiner Haltung nicht eine ablehnende, gar feindliche Haltung gegenüber Juden in Europa?
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Sigi Feigel

Wenn Israels Haltung, soweit sie als falsch betrachtet wird, den Juden Europas angelastet wird, ist dies nur ein Vorwand für bereits bestehenden Judenhass. Ein willkommenes Trittbrett für alle diejenigen, die ohnehin überall da mitfahren, wo es gegen die Juden geht.
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wave

Welches Interesse verfolgen die USA im Nahost-Konflikt? Ist die Bush-Administration überhaupt an einem Frieden interessiert?
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Sigi Feigel

Ich kann nicht in das Herz von Herrn Bush hineinsehen, und über die Ziele der Politik Amerikas kann ich nur eine persönliche, unmassgebliche Meinung abgeben, die ich gewissen amerikanischen Zeitungen entnehmen konnte: Amerika fühlt sich mit Israel im Kampf gegen den Terrorismus verbunden und ist in diesem Sinne bereit, einen grossen Teil dessen, was Herr Sharon macht, zu akzeptieren. Ausserdem wird Israel in Amerika als die einzige Demokratie in Nahost, auch als einziger zuverlässiger Bundesgenosse angesehen.
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anatol

Bush hat Sharon als einen «Mann des Friedens» bezeichnet. Finden Sie das nicht absurd?
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Sigi Feigel

Wissen Sie, es gab früher im Altertum einen Begriff, der hiess «Pax Romana». Das war auch eine Friedensart.
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sandra

Wie gross ist der Einfluss der jüdischen Lobby auf die Nahost-Politik der USA?
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Sigi Feigel

Auf jeden Fall grösser als der Einfluss der Schweizer Lobby auf die Politik des Bundesrats.
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napoli

Herr Feigel, wie sieht Ihre persönliche Vision eines nachhaltigen Friedens zwischen Israelis und Palästinensern aus?
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Sigi Feigel

Ich sehe zwei Staaten, begründet auf der Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann, wie es jetzt geschieht, und die dabei fortlaufend lernen, wieviel sie mit diesem Frieden gewinnen und wieviel sie mit diesem unnötigen Krieg verloren haben.
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Discoverer

Meiner Meinung nach sind die Juden die grössten Rassisten, die es gibt. Was sagen Sie dazu?
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Sigi Feigel

Dazu kann ich nichts sagen. Wer so etwas behauptet, würde eine Antwort sowieso nicht verstehen.
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tomerz

Guten Abend, Herr Feigel, ich freue mich dass mit Ihnen mal jemand mit Intelligenz und über 30 Jahren im Bluewin Chat ist!
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Sigi Feigel

Ich glaube, das ist ein zweischneidiges Kompliment, das der Bluewin Chat nicht verdient hat.
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dave^optimistisch

Haben die Juden nichts aus der Vergangenheit gelernt? Juden gelten ja als intelligente Menschen, warum kann die jetzige israelische Regierung Rueckhalt im Volk haben?
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Sigi Feigel

Die Juden sind Menschen wie andere Menschen. Und diejenigen, die nach Israel zurückgekehrt sind, sind zurückgekehrt, um endlich dort leben zu können, wie ein normales Volk eben lebt. Und sie leben so, wie die anderen normalen Völker. Sie sind nicht besser und nicht schlechter. Und eine Frage wage ich zu stellen: Wer lernt schon aus der Geschichte?
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elli

Die Friedensbewegung in Israel ist jüngst wieder erstarkt. Weckt das bei Ihnen Hoffnungen, dass kritische Stimmen in Israel wieder gehört werden? Können diese Menschen Einfluss nehmen auf den Friedensprozess?
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Sigi Feigel

Ja, durchaus. Ich bin glücklich, endlich wieder Zeichen einer Renaissance einer Friedensbewegung bemerken zu können. Und ich danke eigentlich allen, die für diesen Frieden einstehen, trotz all dem, was sie in der letzten Zeit an Terror erleben mussten. Und wirklich an einen Frieden will ich glauben, wenn endlich die ersten 10'000 Palästinenser auf die Strasse gehen, um ebenfalls trotz allem für den Frieden zu demonstrieren.
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volki

Spanien ist beispielsweise ein katholischer Staat, aber Kritik an Spanien hat nichts mit Religion zu tun, sollte das nicht auch in Israel so sein?. Soviel ich weiss, leben in Israel viele andersgläubige Menschen. Diese werden diskriminiert, wenn Israel mit der jüdischen Religion gleichgesetzt wird.
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Sigi Feigel

Ich kann Ihre Frage nur soweit beantworten, dass es keine Kollektivschuld gibt, und die Missetat eines Israeli nicht die Missetat Israels ist. Und das gleiche gilt auch für das Verbrechen eines Juden. Jeder Mensch ist ein Universum für sich, und keiner kann für das verantwortlich gemacht werden, was der andere tut.
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Guest61690

Arafat wird von den Staaten und von Israel als Terrorist bezeichnet. Und mit Terroristen verhandelt man nicht über Frieden. Arafat ist aber die einzige Figur, der bei den Palästinensern Legitimität geniesst. Wird durch die Ausschaltung Arafats nicht (ev. mit Absicht) eine Sackgassensituation geschaffen und der eventuelle Friedensprozess verhindert?
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Sigi Feigel

Ich kann diese Frage nicht mit ja oder nein beantworten. Arafat ist ein Weltmeister der Doppelzüngigkeit. Was er auf Englisch der westlichen Welt verspricht, tönt ganz anders, als das, was er auf Arabisch seinen Palästinensern sagt. Aber ich weiss nicht, ob etwas Besseres nachkommt.
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Hallo

Gibt es irgendwelche Hinweise, dass palästinensischer Terrorismus von Irak unterstützt wird?
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Sigi Feigel

Ich bin kein Mitglied eines Geheimdienstes und weiss nicht mehr, als jeder andere der Presse entnehmen kann, aber es braucht wohl nicht viel mehr als das Versprechen, die Familie eines Selbstmordattentäters mit 25'000 US-Dollar zu entschädigen, um die Unterstützung des Terrors durch den Irak zu dokumentieren. Weitere Beispiele könnten noch genannt werden.
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RAPTOR

Herr Feigel, haben Sie schon mal «Terror» am eigenen Leib erfahren?
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Sigi Feigel

Was für eine Art Terror meinen Sie? Ich lebe in einem Rechtsstaat. Natürlich habe ich schon Drohbriefe und Telefonanrufe erhalten, und wenn Sie das als psychologischen Terror betrachten, dann habe ich Terror erlebt, sonst glücklicherweise nicht.
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irminsul

Denken Sie nicht auch, dass dieser Konflikt ein typisch männlich territoriales Sandkastenspiel ist, das an einer fehlenden Weiblichkeit - sprich wo ist in diesen sich ausgrenzenden Bruderkriegen die Rolle der Frau in Religion und Kultur - leidet?
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Sigi Feigel

Um darauf zu antworten, müsste ich ein Exposé schreiben und wahrscheinlich noch viel Literatur studieren, dazu fehlt mir leider die Zeit.
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brunosutter

Was können z.B. wir Schweizer Oberstufenschüler tun, um den Frieden in Nahost voranzutreiben?
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Sigi Feigel

Ich glaube, junge Menschen in einer Demokratie, wie sie glücklicherweise bei uns herrscht, sollten lernen, die Dinge kritisch zu betrachten, um zu Urteilen zu kommen und nicht auf Grund von emotionalen Vorurteilen Stellung zu beziehen. Und dies würde auch dem Nahost-Konflikt helfen, in dem gerade junge Menschen ihre Stimme erheben könnten, um beide Seiten zur Sachlichkeit aufzufordern und beiden Seiten klarzumachen, dass gerade sie, als junge Menschen den Frieden wollen.
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anatol

Ist es nicht so, dass die Situation der Palästinenser (zum Beispiel in den Flüchtlingslagern), die meisten Israelis vor den erschreckenden Selbstmordattentaten einfach kalt gelassen hat?
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Sigi Feigel

Die Situation in den Lagern hat vor allem die palästinensische Führung kalt gelassen, welche die Palästinenser als politische Munition in den Lagern festhielten, ein Zustand, der bei gutem Willen schon längst hätte geändert werden können. Diesen guten Willen hatte man aber nicht. 450'000 Palästinenser flüchteten zum Teil auf Aufforderung ihrer eigenen Führung während des Krieges anlässlich der Gründung Israels. 850'000 Juden flüchteten zur gleichen Zeit vor dem aufbrandenden Hass aus Ägypten, Irak, Iran, Jemen und Libyen nach Israel. Niemand spricht mehr von ihnen, weil man ihnen ein menschenwürdiges Leben verschaffte. Davon hätten die Palästinenser lernen müssen.